• Januar 08, 2015

Open Source - das Generikum der Softwareindustrie

Die Generika haben ähnliche Wirkungen wie Originalmedikamente und Apotheken sind dazu verpflichtet, den Kunden die preiswerteren Generikaoptionen anzubieten. Warum sind dann die Generika preiswerter als die Originalmedikamente? Die Antwort ist Wettbewerb.

Aufgrund der hohen Entwicklungskosten ist es gerechtfertigt, neuen Medikamenten Patentschutz zu gewähren. Nach dem Auslaufen des Patentschutzes ist es möglich, biologisch äquivalente Medikamente, also Generika, zusätzlich zu den Originalmedikamenten zu entwickeln. Diese Art der Offenheit entspricht einem Wettbewerb, was zu niedrigeren Preisen führt.

Eine Softwareentwicklung erfordert keine Investitionen wie die eines Medikaments. Software ist nur durch Urheberrechte geschützt. Eine geschlossene Entwicklungsarbeit wird normalerweise von einer Einzelgruppe geleistet und die Lizenzgebühren sind als Rückgewinnung der Ausgaben für die Entwicklungsarbeit gerechtfertigt. Der Code wird auf alle möglichen Weisen geschützt und die Ressourcen werden dafür verwendet, dass Außenstehende nicht an die Codestruktur kommen können.

Das Prinzip von Open Source besteht darin, dass die Entwicklungsarbeit und die Entwicklungsinstrumente offen, oder im besten Fall sogar öffentlich sind. Es ist möglich, einen Open-Source-Code frei zu entwickeln und weiterzugeben. Dadurch wird die Open-Source-Software kontinuierlich weiterentwickelt, um den Ansprüchen der Benutzer zu genügen. Hinter der Entwicklungsarbeit steht eine große Gemeinschaft, die dafür sorgt, dass die Entwicklungskosten geteilt werden.

Es zirkulieren immer noch Mythen, beispielsweise über die Informationssicherheit und die Legalität der Beschaffung rund um Open Source. Auch die Generika hatten ihre Schwierigkeiten. Anfangs wurden sie als unsichere Kopien betrachtet. Aber mit der Gesetzgebung änderten sich auch die Mythen rund um die Generika. Das Gleiche geschieht nun mit Open Source.

Laut Gesetz ist es in Finnland seit 2003 möglich, rezeptpflichtige Medikamente durch Generika zu ersetzen. Dadurch haben die Kunden die Möglichkeit, den niedrigeren Preis der Medikamente zu nutzen. Im Zusammenhang mit Ausschreibungen sieht es so aus, als ob die Ausschreibungsgesetze in der Softwarebranche sich immer noch irgendwo in den 1990ern befinden. Es kann daher sehr schwierig sein, den größeren Zusammenhang zu verstehen und zu sehen, was die kosteneffizienteste Option ist. Unglücklicherweise garantiert der billigste Kaufpreis zunächst mal gar nichts.  

Italien ist Vorreiter beim Erwerb und bei Ausschreibungen für Software im öffentlichen Dienst. Eine Anfang 2014 veröffentlichte Richtlinie verpflichtet alle staatlichen Organisationen dazu, Open Source-Software zu bevorzugen. Auch in Finnland haben wir langsam damit begonnen, die wesentlichen Vorteile und Einsparungen der Nutzung von Open Source bei der öffentlichen Verwaltung zu begreifen.

Bei jeder neuen Softwarebeschaffung sollten die gleichen Kaufprinzipien angelegt werden, wie beim Einkauf von Generika: Es sollte immer untersucht werden, ob eine Open Source-Alternative verfügbar ist. Wenn möglich, sollte die Option zum Erwerb einer preiswerteren Option genutzt werden. Im Zusammenhang mit Open Source-Lösungen ist es möglich, die von einem breiteren Publikum entwickelten Vorteile zu genießen. Es ist darüber hinaus möglich, die Lösung aufgrund der jeweiligen Bedarfslage weiterzuentwickeln. Und die Nutzung der Open Source ist nicht beschränkt. Daher ist es möglich, den Anbieter zu wechseln, oder zu integrieren und auf externe Programme auszuweiten.

Denken Sie, dass eine Gesetzesinitiative zur Nutzung von Open Source im öffentlichen Dienst eingebracht werden sollte? Diskutieren Sie mit auf Twitter @arcusys.

Janne Hietala, CCO, Arcusys Ltd.

Martin von Willebrand, Vorsitzender, COSS (Centre for Open Systems and Solutions) und ein Teilhaber, HH Partners Rechtsanwälte.

Referenzen (auf Finnisch):

Tieke – Suomi avoimen lähdekoodin piilaaksoksi – tekemistä vaille valmis!

Tivi 23.1.2014 – Italia kehottaa avoimeen koodiin julkisella sektorilla

Von Willebrand, Martin – 10 myyttiä avoimen lähdekoodin juridiikasta ja riskeistä

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