EXAM verwendet elektronische Prüfungen, um die Zeit der Lehrer zu schonen - und die Natur

108 000
Prüfungen im Jahr 2018

EXAM bietet Flexibilität bei der Gestaltung von Prüfungen und befreit die Lehrer von dem Versuch, unklare Handschriften zu entziffern. Die Einsparungen an Papier sind ebenfalls beträchtlich, da in EXAM bereits mehr als 100.000 elektronische Prüfungen pro Jahr durchgeführt werden. Die im Herbst dieses Jahres eingeführte Option für Prüfungsbesuche dürfte das Wachstumstempo noch weiter erhöhen.

"Was ist heutzutage schon eine Handschrift? So antworte ich auf die Frage, ob ein Bildungsinstitut elektronische Prüfungen einführen sollte.", sagt Sanna Sintonen, Senior Advisor bei Education Development Services an der Tampere University of Applied Sciences und Vorsitzende des EXAM-Konsortiums.

Bereits 27 finnische Universitäten und Fachhochschulen haben sich für die Digitalisierung der Kompetenzfeststellung entschieden und setzen nun die EXAM-Software ein. Die Entwicklung des Systems wird vom EXAM-Konsortium der finnischen Universitäten und Fachhochschulen betreut. Valamis ist der Hauptentwickler des Systems.

Das finnische CSC - IT-Zentrum für Wissenschaft ist der Systemkunde an der Schnittstelle zwischen Valamis und Hochschulen und bietet es als operative Dienstleistung an. Die Nutzerorganisationen können natürlich auch selbst für die Implementierung und Wartung verantwortlich sein.

"Alle finnischen Hochschulen haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen, auch im Bereich des Nachweises der eigenen elektronischen Kompetenz. Der Vorteil des EXAM-Konsortiums besteht darin, dass es nicht notwendig ist, Entwicklungsarbeiten getrennt von anderen durchzuführen.", sagt Venla Virtakoivu, Spezialist und Projektleiter des Projekts zur Bewertung digitaler Kompetenz und Lernen an der Aalto Universität.

Die erste Version von EXAM wurde 2014 fertiggestellt. Die Hochschulen hielten die damaligen elektronischen Prüfungssysteme für technologisch veraltet und begannen daher, zusammen mit Valamis (damals Arcusys) und CSC ein eigenes System zu schaffen.

Im Jahr 2018 wurden 108.000 Prüfungen in EXAM absolviert, und die Zahl wächst schnell. Ziel der Aalto Universität ist es zum Beispiel, die Anzahl der elektronischen Prüfungen von Jahr zu Jahr zu verdoppeln.

Vorteile für Studenten und Lehrer

EXAM macht den gesamten Prüfungsprozess elektronisch. Dies bietet zahlreiche Vorteile für Lehrer und Studenten.

Traditionelle Prüfungen im Klassenzimmer sind arbeitsintensiv - vor, während und nach dem Unterricht. Das Klassenzimmer und die Betreuer müssen lange im Voraus reserviert werden, und zwar für jede Prüfung, die durchgeführt wird. Das Drucken von Prüfungsunterlagen und Anhängen kann ein enormer Aufwand sein. Abgeschlossene Prüfungen können verloren gehen, und ein Teil der Handschrift ist immer unleserlich.

Auch eine zeitgebundene Klassenzimmerprüfung verlangt den Schülern viel ab. Es gibt eine begrenzte Anzahl von Prüfungsbüchern, und es könnte schwierig sein, eines zu bekommen. Was ist, wenn der Student zum Zeitpunkt der Prüfung krank ist, auf der Arbeit oder in einer anderen Stadt?

Die Elektronisierung des Prozesses bringt Flexibilität und setzt Ressourcen für andere Dinge frei.

"Die Lehrer können die Prüfung überall erstellen und bewerten. Sie sind nicht mehr von den Antwortpapieren abhängig.", sagt Henna Toivola, Spezialistin für Universitäts- und Bildungsdienste an der Universität Vaasa.

Die Ergebnisse können mit Hilfe der Anwendungsoberfläche von EXAM direkt im Verwaltungssystem erfasst werden.

"Die Studenten schicken uns eine Menge positives Feedback. Neben der Flexibilität, die das System ermöglicht, sind die Studenten einfach glücklich darüber, dass sie die Antworten am Computer schreiben können.", sagt Sanna Sintonen.

Wettbewerbsvorteil durch elektronische Prüfungen

Studenten, die bereits an eine digitale Immatrikulationsprüfung gewöhnt sind, finden es vielleicht seltsam, dass sie zu Beginn ihres Studiums an einer Universität wieder auf Stift und Papier zurückgreifen müssen. Die Möglichkeit, die eigene Kompetenz elektronisch darzustellen, kann sogar Studenten an eine bestimmte Schule locken.

"Ich glaube, dass alle Prüfungen an der Aalto Universität, bei denen die Antworten in Form von Aufsätzen, Multiple-Choice-Fragen und Lückenfüllern vorliegen, direkt auf EXAM übertragen werden könnten.", sagt Venla Virtakoivu.

Bei der Durchführung von Prüfungen in EXAM können die Studierenden eine entsprechende Prüfungszeit elektronisch buchen. Die EXAM-Klassenräume werden mit Kameras überwacht, so dass die Identität des Prüflings bestätigt werden kann. Das System kann auch für andere Zwecke als nur für Prüfungen genutzt werden. So können beispielsweise Zwischenprüfungen, die der Student selbstständig und mit eigener Kompetenz durchführen soll, nahtlos mit EXAM verwaltet werden.

"EXAM ist eine Alternative, um das Anfangsniveau der Schüler z.B. im Sprachstudium zu testen. Die Prüfungen müssen nicht immer am Ende des Kurses organisiert werden.", betont Henna Toivola.

Ab Herbst 2019 bietet EXAM noch mehr Möglichkeiten als bisher. Prüfungsbesuche (Abschluss einer Prüfung in den Räumlichkeiten einer anderen Universität) sind jetzt möglich. Derzeit werden diese an sieben Standorten von sechs Hochschulen durchgeführt, und diese Zahl wächst schnell.

Hin zu digitalen Massenprüfungen und KI-Bewertung

EXAM entwickelt sich ständig auf der Grundlage der Bedürfnisse seiner Benutzer.

"Wir sind mit Valamis als Systemlieferant äußerst zufrieden. Unsere Partnerschaft besteht schon seit langem, da Valamis die Bereiche Lernen und Studieren gut kennt und bei der Softwareentwicklung moderne Technologien einsetzt."
- Marjut Anderson, Projektleiterin bei CSC

Zu den Wünschen für die Weiterentwicklung gehört die Möglichkeit, die eigenen Computer der Studierenden für die Prüfung zu nutzen. Auf diese Weise könnten Massenprüfungen unabhängig von der Anzahl der an der Hochschule vorhandenen EXAM-Rechner realisiert werden.

Im Rahmen des vom finnischen Ministerium für Bildung und Kultur geförderten Schlüsselprojekts DigiCampus läuft bereits eine Untersuchung zu einer solchen Klassenzimmerprüfung. Das gleiche Entwicklungsprojekt umfasst auch eine Reihe von Teilprojekten, die von den Nutzern gewünscht werden, wie z.B. Learning Analytics und KI-gestützte Bewertung von Prüfungen.

Trotz ihrer Fehler sind Stift und Papier ein praktisches Werkzeug, um mathematische Notationen zu skizzieren. Das bedeutet, dass die Digitalisierung der mathematischen Darstellungsformen etwas langsamer voranschreitet als bei den leichter in ein digitales Format umzuwandelnden Darstellungsformen. Eine Arbeitsgruppe des EXAM-Konsortiums arbeitet derzeit daran, Werkzeuge, die mathematische Notationen unterstützen, in das Prüfungssystem zu integrieren.

Elektronisches Prüfungssystem EXAM

  • Derzeit sind 27 finnische Universitäten beteiligt. Die erste Version wurde 2014 implementiert.
  • Im Jahr 2018 wurden 108.000 Prüfungen im EXAM abgeschlossen.
  • Prüfungsbesuche wurden im Herbst 2019 möglich. Eine aktuelle Liste der Hochschulen, an denen Prüfungsbesuche möglich sind, finden Sie unter e-exam.fi.

Editor: Kari Ahokas