• August 25, 2017

Messung des Lernerfolgs in einem Unternehmen – Die Auswirkungen von Analysen auf Schulungen

Die Digitalisierung des Lernens und die heutigen Analyse-Tools bieten Unternehmen neue Möglichkeiten der Organisation und Entwicklung von Trainings und Schulungen. Eine gute Schulungsumgebung erfüllt die Anforderungen des Unternehmens und der Lernenden gleichermaßen. Bei der Entwicklung von Schulungslösungen sollten die durch Digitalisierung und Analysemöglichkeiten entstandenen Veränderungen und Chancen aus beiden Perspektiven betrachtet werden.

Für die Lernenden ist es wichtig, dass die Schulung problemlos funktioniert und auch einen wirklichen Nutzen bringt. Die Trainingsmaßnahme sollte wesentlich zur Entwicklung am Arbeitsplatz und zur Aufnahme neuer Informationen beitragen.

Für das Unternehmen liegt der Schwerpunkt auf kosteneffizienten Schulungen und einer verbesserten Kompetenz durch die Schulungen.

Das bedeutet, es muss eine Balance zwischen Kosteneffizienz und der Qualität der Schulung gefunden werden. Laut einem IMD-Arbeitspapier sehen Unternehmen digitale Schulungslösungen oft als Möglichkeit, Schulungskosten zu sparen.

Wenn sich ein Unternehmen nur auf die Kosten konzentriert, steht es am Ende womöglich mit einer unfertigen und fragmentierten Lösung da, mit der Kompetenzen in der Praxis nicht verbessert werden können. Damit Schulungen wirklich einen produktiven Teil des Unternehmensbetriebs und nicht nur einen Kostenfaktor darstellen, muss ihre Effektivität messbar sein.

Aus Sicht des Unternehmens: Messung des Lernerfolgs

Die Messung der Effektivität von Schulungen und die Prognose von Entwicklungsanforderungen ist auf traditionellem Wege schwierig und langsam, da sich Lernerfolg naturgemäß nur schwer messen lässt. Gewöhnlich zeigt sich die Effektivität von Schulungen nur, wenn das Know-how bei der Arbeit täglich angewendet wird.

Um ein praktisches Beispiel zu nennen: Eine effektiv umgesetzte Schulung für Sicherheit am Arbeitsplatz korreliert mit einem Rückgang der Arbeitsunfälle. Im Idealfall kommt es gar nicht erst zu Unfällen, was auf ein ausreichendes und verlässliches Kompetenzniveau hindeutet.

In digitalen Lernumgebungen können Nutzungs- und Lerndaten umfassend und sehr detailliert erfasst werden. Mit digitalen Lösungen können Nutzeraktionen in der Lernumgebung und mit den Lernmaterialien bis zu einzelnen Klicks analysiert werden.

In Kombination mit vielseitigen Analyse-Tools können aus diesen Daten aussagekräftige Informationen entstehen. Wenn beispielsweise mehrere Lernende ein bestimmtes Video an der gleichen Stelle pausiert und zurückgespult haben, kann das bedeuten, dass der Inhalt hier schwer verständlich war und die Aussage vereinfacht werden sollte.

Durch Digitalisierung und Analysen:

  • können Schulungs- und Lerndaten auch auf andere Weise erfasst werden als nur durch Umfragen und Tests
  • können die Stärken und Schwächen der Umgebung und der Materialien schneller ermittelt werden, was die Weiterentwicklung erleichtert
  • können zukünftige Schulungsanforderungen genauer vorhergesagt werden
  • lässt sich die Effektivität der Schulung anhand von Nutzungs- und Lerndaten besser evaluieren

Aus Sicht des Lernenden: Macrolearning und Microlearning

Bei der Analyse von Online-Schulungen und deren Effektivität für die Lernenden lässt sich die Lernerfahrung auf zwei Ebenen bewerten: Macro- und Microlearning. Hierbei handelt es sich um einander ergänzende Lernwege, die sich auf unterschiedliche Phasen im Lernprozess konzentrieren.

Das Lernen neuer Tätigkeiten und Themen in großen Blöcken und über einen längeren Zeitraum wird als Macrolearning bezeichnet. Macrolearning beruht auf umfangreichen und vielfältigen Lernmaterialien und die Lernsituationen finden gewöhnlich zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort statt. Kurse, Vorträge und Workshops sind Beispiele für Macrolearning.

Im Gegensatz dazu bezieht sich Microlearning auf bestimmte und detaillierte Informationen, die der Lernende sofort benötigt, um seine Arbeit fortsetzen zu können. Es wird auch als Just-in-Time-Schulung bezeichnet. So fällt beispielsweise die Suche nach einer Antwort im Lernmaterial oder die Online-Recherche eines neuen Begriffs unter Microlearning.

Die Einweisung eines Mitarbeiters ist ein Beispiel für eine Schulung, bei der es wichtig ist, beide Lernwege einzusetzen;

Schulungen, um jemanden in den Betrieb und die Arbeitsweisen eines Unternehmens einzuweisen, enthalten gewöhnlich zahlreiche Inhalte und Informationen, da das Ziel darin besteht, den Mitarbeiter möglichst schnell auf den neuesten Stand zu bringen.

Allerdings ist es schwierig, eine große Menge neuer Informationen zu praktischen Angelegenheiten aufzunehmen, da man nur durch die eigentliche Arbeit Praxiserfahrung gewinnt. Dies stellt einen umgekehrten Lernprozess dar. Wenn es an der Zeit ist, das in der Schulung Erlernte in der Praxis umzusetzen, sind manche Informationen unter Umständen schon wieder vergessen.

Indem das Einweisungsmaterial auf einer einfach zu navigierenden Umgebung zur Verfügung gestellt wird, können die Mitarbeiter selbst und zeit- und ortsunabhängig nach Antworten suchen – eben Just-in-Time.

Mithilfe von Analyse-Tools kann besser untersucht werden, wie die Lernmaterialien tatsächlich verwendet werden. Wenn zum Beispiel ein bestimmtes Materialpaket oft sofort nach einem Vortrag geöffnet wird, kann dies auf wichtige Informationen hinweisen, die während der Schulung nicht ausreichend erklärt werden.

Zusammenfassung

Die Digitalisierung von Lerninhalten gehört bereits zu einem unverzichtbaren Teil des Lernprozesses und die Integration verschiedener Schulungsarten und deren Bedeutung nehmen offenbar dank besserer Technologien und Tools zu.

Sie ist aber keine Wunderwaffe, mit der sich alle Probleme rund um Schulungen von selbst lösen. Dennoch ist eine digitale Schulungslösung, die auf die Bedürfnisse eines Unternehmens zugeschnitten ist, hinsichtlich der Entwicklung von Schulungen und der Messung ihrer Effektivität unerreicht.

Juho Haapiainen
Junior Instructional Designer